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Burgen und Schlösser in
Baden-Württemberg
Burgen und Schlösser!  

 

 

Eröffnungsvortrag der Burgenausstellung

Von Frank Buchali

enn wir an Burgen und Schlösser denken, fallen uns Namen wie Zwingenberg, Steinsberg, Ehrenberg, Hornberg und Weibertreu ein.

Große Anlagen, welche touristisch erschlossen sind , teilweise sehr gepflegt und renoviert.

Wir wollen aber mit dieser Ausstellung den Bogen zu den vielen anderen, unbekannteren Anlagen spannen welche einst im Kraichgau standen oder noch stehen.

Nach unseren Recherchen standen im Kraichgau, an dessen Ostgrenze wir uns gerade befinden, ca. 300 Burgen und Schlösser.

Die großen Anlagen sind jedermann bekannt, die vielen kleineren sind jedoch meist touristisch unerschlossen und oft nagt der Zahn der Zeit an den sich im Dornröschenschlaf dahindämmernden Bauten.

Über 50% dieser Anlagen sind heute Burgställe, d.h. entweder völlig verschwunden oder bis auf wenige Reste abgetragen und in unserer Landschaft oft nur noch kaum erkennbar.

Die Ausstellung soll aber nicht nur auf die erstaunliche Vielzahl der Anlagen aufmerksam machen, sondern auch einen kleinen Einblick in den Alltag der Burg- und Schlossbewohner geben.

Den typischen Burgenalltag stellen sich viele Besucher der typischen großen Ritterburg folgendermaßen vor: Gepanzerte, blinkende Rüstungen, Turniere, Minnegesang, Burgfräulein, prasselnde Kaminfeuer, komfortables Essen im warmen rustikalen Speisesaal. Die Burg selbst verteidigt von einer großen Anzahl stolzer Ritter.

Der wirkliche Alltag sah in der Regel völlig anders aus:

Auf den meist kleinen Anlagen war das Leben hart und entbehrungsreich. Die meisten Bewohner, Kleinadel oder Burgvögte waren nicht besonders betucht, die Burgen waren eng, kalt, feucht und wenn oben am Berg gelegen auch noch zugig, düstere dreckige kleine Höfe , der Gestank von Hundekot und Vieh zog durch die Räume, oft schliefen alle zusammen mit dem Vieh in einer Kammer, das karge Essen mußte, wie auch das Trinkwasser oft weit hergebracht werden.

Die Wohntürme waren schmal, eng, dunkel und unkomfortabel, Fensterglas war rar und teuer.

Dies war natürlich alles auch ein Grund in späterer Zeit wohnlichere Schlösser zu bauen und die mehr zur Verteidigung erstellten Burgen zu verlassen. Das heißt aber nicht, das die Schlösser im Winter wohnlichere Temperaturen aufwiesen. (Die heutigen Schlossbesitzer werden das bestätigen können)

Im Verteidigungsfall wurden diese Burgen auch nicht von einer Vielzahl hochgerüsteter Ritter verteidigt, sondern oft nur von 5- 10 schlecht bewaffneten Männern, wir dürfen uns also nicht wundern, wenn im Bauernkrieg die Burgen zu Hunderten im Handstreich erobert und gebrandschatzt wurden.

Noch ein weiteres Klischee, was wir entkräften sollten:

Wir alle kennen den sogenannten Bergfried einer Burg, der große Turm, von dem immer angenommen wurde, daß er als letzte Zuflucht vor dem Feind diente. Das aus großer Höhe ein Angreifer besser bekämpft werden kann sei unumstritten.

Aber würden Sie sich bei einer herannahenden mordenden Horde mit Ihrer Familie in ein derartiges Steinverlies zurückziehen und auf eventuelle Hilfe warten, die wahrscheinlich nie eintrifft? Sie würden ausgehungert oder ausgeräuchert werden, das sichere Ende vor Augen.

Würden Sie beim Herannahen des unbesiegbaren Feindes nicht lieber ein heimliches Hintertürchen nehmen und in den Wald entfliehen?

Die moderne Burgenforschung vertritt eher die Ansicht das der Bergfried weniger ein Zufluchtsort, also ein Schutz war, sondern einerseits als Beobachtungsposten genutzt wurde und andererseits ein Symbol der Macht war, etwas, was über die anderen herausragte, also eher ein mittelalterliches Statussymbol.

.Wir haben in der Ausstellung einige Rekonstruktionen und fiktiver Modelle typischen Burgenanlagen neben den originalgetreuen Nachbauten. Die Betonung liegt auf fiktiv, d.h. so könnten diese Anlagen nach neuestem Forschungsstand ausgesehen haben können. Das genaue Aussehen einer längst verschwundenen Anlage bleibt natürlich im Dunkel der Vergangenheit verborgen.

Wir werden den Verfall der Burgen und Schlösser nicht verhindern können, aber wir können versuchen ihn zu verzögern und zu verlangsamen.

Gerade die vielen kleinen, halb verfallenen Anlagen sollten wir vor dem gleichen Schicksal wie die Burgställe schützen.

Jeder Ort, in dem eine derartige Anlage steht, oder in dessen Wald noch die Gräben eines Burgstalles zu finden sind, sollte die Reste vor der völligen Zerstörung schützen.

Man sollte auch die finanzielle Last des Erhaltens und Renovierens nicht nur auf die momentanen Besitzer abwälzen (ich denke da u.a. an Zuzenhausen).

Es sollte auch Aufgabe der Gemeinde sein , also unser aller Aufgabe, die Vergangenheit, die ein Teil unserer Kultur ist zu erhalten.

Diese Ausstellung soll auch das Interesse für diese Thema bei der Bevölkerung wecken etwas achtsamer mit dieser Verganenheit umzugehen.
Der unbedachte Abriß einer alten Burg- oder Schlossmauer, das Roden von Bäumen auf den Wällen eines Burgstalles oder das tiefe Pflügen oder Umgraben eines einstigen Burgareales oder sogar das Überbauen eines solchen ( so wie in den 70er Jahren der Burgstall Weiler bei Aglasterhausen einer Straße und der Burgstall Rotenbrunnen am Heuchelberg einem Weinberg zum Opfer fielen), dies alles sollte eigentlich nicht mehr passieren dürfen.

Wir wollen zum Schluß des Vortrages diese Ausstellung noch mal zusammenfassen:

Im ersten Teil finden Sie die frühen, also älteren Burgenanlagen mit den Fluchtburgen und den Wohnturmburgen, sowie den kleinen Anlagen. Im zweiten Teil der Ausstellung dann die späteren Burgen.

Nach der Einführung der Feuerwaffen waren die Burgenbauer und Besitzer gezwungen größere Anlagen mit Vorburgen und Zwingern zu bauen um die Kanonen des Feindes auf Distanz von der Kernburg zu halten. Ältere Anlagen wurden schrittweise erweitert, verstärkt und vergrößert.

Zum Ende des Mittelalters fing man an repräsentative, komfortablere Schlossbauten zu bauen oder baute Burgen (wie die Horneck) in Schlösser um. Ein Verteidigungszweck erfüllten diese nicht mehr.

Um sich gegen den damaligen Stand der Feuerwaffen noch zur Wehr zu setzen konnte nur der Bau einer sogenannten Festung helfen.

Diese hauptsächlich aus Erdwällen bestandenen geometrischen Konstruktionen (mit Faschinen, Kasematten und Kurtinen) sind aus dem heutigen Landschaftsbild fast völlig getilgt und sind auch nicht Thema dieser Ausstellung.

Copyright 6.2000 by Frank Buchali

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