Burgen und Schlösser in
Baden-Württemberg
 Burgen und Schlösser!

 

 

 

Winnenden

Schloss Winnental/ Burg Alt-Winnenden und der Amoklauf-Trauer legt sich als Schatten auf die geschichtliche Vergangenheit des Ortes

 

Trauer in Winnenden nach dem Amoklauf
Trauer um die Opfer/ grief at the victims
Der Ort Winnenden liegt östlich von Ludwigsburg und nordöstlich von Stuttgart am Rande des Schwäbisch-Fränkischen Waldes.
Seit dem 11. März 2009 überschattet leider der Amoklauf von Tim Kretschmer diesen beschaulichen Ort im Rems-Murr-Kreis im Herzen Baden-Württembergs.
Seit dem Zweiten Weltkrieg sind in Baden-Württemberg nicht mehr so viele Menschen auf einmal durch Menschenhand ausgelöscht worden.

Der 17-jährige Sohn eines schwäbischen Unternehmers tötet mit einer der Waffen seines Vaters- einer Beretta 92 Kaliber 9 mm- an seiner ehemaligen Schule, der Albertville-Realschule, und in der Umgebung 15 unschuldige Lehrer, Schüler und Passanten und richtet sich nach diesem unfassbaren Gemetzel dann selbst. Zwei Zivilpolizisten hatten ihn zuvor vor einem Autohaus gestellt. Beide Polizisten wurden dabei schwer verletzt. Er wurde , nachdem er im Autohaus einen Verkäufer und einen Kunden getöte hatte, auf dem Parkplatz hinter dem VW-Autohaus von Polizisten gestellt, welche ihm in die Beine schossen. Der Amokläufer begang noch auf dem Parkplatz Selbstm
ord. Der Täter hatte hunderte Schuss Munition dabei und hätte in seinem Blutrausch noch etliche weitere Menschen erschossen, wäre er nicht durch die Polizei daran gehindert worden. 112 Schuß vom Typ "Parabellum" verschoss der 17-jährige Schüler. Der Markenname "Parabellum" leitet sich aus dem lateinischen Sprichwort " Si vis pacem, para bellum" ab: "Wenn du den Frieden willst, bereite den Krieg vor". Dieser Krieg, den der Schüler für 180 Minuten führte, hat nun manche Familie in einen tiefen Abgrund gestürzt und Kindern ihre Geschwister, Eltern ihre Söhne und Töchter, Babys Ihren Vater und frisch verheirateten Ehemännern ihrer Gattin beraubt.

Das ist ein Drama, welches wie ein Trauma noch Jahre über den Bewohnern schweben wird und den Betroffenen unendliches Leid zugefügt hat. Die Erinnerung an diesen Amoklauf wird noch in der Ortsgeschichte auftauchen, wenn schon die mittelalterlichen Zeugen der Vergangenheit - die Burgen und Schlösser der Region- zu Staub zerfallen sind.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Viktorija (16)
Nicole (16)
Chantal (15)
Stefanie (16)
Kristina (16)
Jaqueline (15)
Jana (15)
Selina (15)
Ibrahim (17)
Wir gedenken der verstorbenen Opfer:
Sigurt (46)
Denis (36)
Sabrina (24)
Michaela (26)
Nina (24)
Franz (56)

 

 

 

 

 

 

 

 
 
 
 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

In Winnenden finden wir direkt nördlich der Schule das Schloss Winnental. Auch hier starb ein Mitarbeiter der Klinik durch die Kugeln des Amokschützen. Das Schloss dominiert durch die Größe des Anwesens und der strengen Linienführung. Das dreigeschossige Mittelgebäude ist über hundert Meter lang. Der Ehrenhof wird durch zwei Flügelbauten, den Kommentur- und den Kavaliersbau gebildet. Das erste Anwesen wurde 1482 errichtet und ab 1674 von der Familie "Wirtemberg-Winnental" bewohnt, welche ab dem Jahre 1733 Württemberg regierte. Herzog Karl war ab 1674 für den Hauptumbau des Schlosses verantwortlich. Die klassizistischen Umbauten erfolgten unter König Friedrich von Württemberg.
Das Schloss wurde durch Nebengebäude und Gartenanlagen erweitert und als Jagdschloss und Witwensitz verwendet. Später befand sich eine "Irrenanstalt" (Zitat von König-Warthausen) in dem Gebäude, danach eine Heil- und Pflegeanstalt, heute ist dort das Psychiatrische Landeskrankenhaus untergebracht. Bemerkenswert ist auch die evangelische Schlosskirche (Chor erbaut um 1300), in welcher auch Trauergottesdienste für die Amokopfer stattfanden.

Östlich von Winnenden finden wir das Dorf Bürg mit den Resten der Burg Alt-Winnenden auf einem Bergsporn am Westrand des Ortes, von welcher noch ein Turm vorhanden ist. Der Bergsporn wurde von einem Halsgraben vom westlichen Ort abgetrennt, durch den heute die Straße "Am Burggraben " verläuft. Das höher gelegene Burggelände ist mit Gebäuden und einem Hotel unglücklich überbaut. Als letzter Rest steht der runde Eckturm an der Südostecke des Burggeländes. Der Bergfried war ursprünglich 15 Meter hoch und hat einen Durchmesser von 7,5 Metern bei einer Wandstärke von 2,8 Metern. Er wurde sorgfältig aus staufischen Buckelquadern erbaut, einige der Steinmetzzeichen (Pfeil) finden wir auch an der Burg Zwingenberg am Neckar. Der Turm wurde später mit Bruchsteinmauerwerk einige Meter erhöht. Auf seiner Nordseite ist der Maueransatz der Ringmauer erkennbar. Darüber befindet sich das Zylindersegment eines Treppentürmchens welches vermutlich von der Mauer auf den Turm führte. Die alte Literatur geht von einer Kastellburg aus, d.h. streng rechteckiger Grundriss mit vier seitlichen Flankierungstürmen. Dies wäre für die Region völlig ungewöhnlich.
Es kann höchstens ein Zwillingsturm an der Nordostecke angenommen werden, was ebenso noch zu den eher selteneren Bauformen in Baden-Württemberg gehören würde. Auf der zu Winnenden steil abfallenden Spornseite war die Burganlage sicherlich nicht so stark mit Türmen befestigt wie zur Angriffsseite zum Ort hin.

Ein Gottfried von Schauenburg/ Winnenden wird 1181 bis 1196 bezeugt. Um 1220 gelangte die Burg in Besitz der Neuffener, welche auch die Stadt Winnenden gegründet haben sollen. Gottfrieds Schwiegersohn Heinrich von Neuffen baut die Anlage zu einer mächtigen Befestigung aus. Die Buckelquader mit Randschlag und romanischen Steinmetzzeichen am Turm weisen auf diesen Zeitraum hin. Gottfried und Heinrich gehörten beide zum Gefolge der Stauferkaiser. Ab 1277 waren die Herren von Weinsberg durch Heiratsverbindungen Mitinhaber. Diese erwarben die komplette Burg und verkauften das Anwesen 1325 an Württemberg. Seit 1350 befand sich die Burg als württembergisches Lehen in der Hand der Niederadelsfamilie von Yberg. 1499 ist sie unbewohnt, verfällt und geht zurück an Württemberg. Um 1538 wurde die Burg bis auf den Turm abgerissen und zum Bau des Schlosses Schorndorf verwendet. In der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts wird der Turm überdacht und mit Glocke und Uhr versehen. Der Ort und die Herrschaft Winnenden waren somit eng verzahnt mit dem nahen Stammsitz der Württemberger.
Berühmtester Burgbewohner war der Minnesänger Gottfried von Neuffen (genannt um 1230-1255). In der Spätzeit des Minnegesanges galt er als Meister der Formbeherrschung und -spielerei und erzählt u.a. in seinen Liedern, wie er aus der Stadt Winnenden ausreitet um Liebeseroberungen zu tätigen.


Burgturm mit modernem Hotelkomplex

 

In unseren PDF-Dateien finden Sie eine ausführliche Beschreibung, Fotos, selbst erstellte Grundrisse, Quellenangaben, Anfahrtsbeschreibungen und Touristik-Informationen (Gastronomie, Öffnungszeiten, Wandertipps):

Anlagenbeschreibung, Grundriss und Fotos Burg Alt-Winnenden

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English summary

On March, 11th. 2009 Tim Kretschmer a 17 year old boy, ran amok in Winnenden, a small town east of Stuttgart. Stuttgart is located in the german state Baden-Wuerttemberg in South-Germany. 15 people were killed from his weapon- a Beretta 9mm-. He killed himself in the small town Wendlingen near the airport Stuttgart several hours later. Winnenden is a Swabian small town with 29000 habitants in the centre of Baden-Wuerttemberg. People in Germany are shocked because it is the greatest massacre since the Second World War in South Germany.
In Winnenden we can find the castle Winnental, built in 1482 and later inhabited from the nobility Wirtemberg-Winnental. The important nobility Württemberg enlarged and converted the castle in 1674. East of Winnenden is the village Bürg with the rest of the castle Alt-Winnenden. Only a tower overcame the centuries.

Touristik-Infos:

Anfahrt über die A 81 Heilbronn-Stuttgart. Von Stuttgart über Waiblingen auf der B 14 nach Winnenden oder von Ludwigsburg nach Osten über Remseck nach Winnenden fahren. Das Schloss befindet sich im Ortskern. Nach Bürg zur Burg Alt-Winnenden weiter nach Osten auf den Berg fahren. Auf dem Gelände befindet sich das Restaurant /Hotel "Schöne Aussicht" mit Sonnenterasse und Parkplätzen im ehemaligen Burggraben.
Öffnungszeiten: Restaurant täglich von 6.30 Uhr bis 23.30 Uhr
Infotelefon: Tel (0 71 95) 9 75 60

 


Burg Alt-Winnenden auf einer größeren Karte anzeigen

www.burgen-web.de .....wir bringen die Steine des Mittelalters zum Reden!

 

 

 

 

 

 

 
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


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